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Wir waren Papst

  • Autorenbild: Georg
    Georg
  • 26. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Titelseite
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Wer mag sich nicht gerne an dieses eine große Ding erinnern, was uns 2005 wirklich vereint hat! Ein Deutscher wird am 19.04.  zum Papst gewählt. Und die Bild-Zeitung okkupiert in ihrer bescheidenen Art das Wir-Gefühl und bringt es in fetten Lettern auf Seite 1! Ja,  Wir sind Papst, zumindest damals waren wir es. Ulkig, dabei bin ich noch nicht einmal katholisch und meine unkeusche und manchmal lasterhafte Lebensweise, …  naja, das führt jetzt ein bisschen zu weit.   Aber das Gefühl von Gemeinschaft  wie bei einer Fußball Weltmeisterschaft, bei der entscheidenden Kür unserer Olympia-Gold Kathi oder der unsäglichen Qual Jan Ullrichs bei Tour de France, das war schon eine allgegenwärtige Hypnose.

So ähnlich ging es mir heute in meiner Küche. Meine männliche Brut, die sich die Nächte um die Ohren schlägt, kommt mit einem gehörigem Kissensbdruck  im Gesicht in die familiäre Küche geschlendert. Es ist um die Mittagsstunde und noch nicht ganz wache Stimmen krächzen ein „Guten Morgen“ . Ich derweil, seit Stunden mit den Beinen unter anderem auf der Leiter beim abweichen der schönsten Raufasertapete der Welt vom Vornutzer dieser Wände. Mit erheblicher Mühe war ich schon ungefähr Dreiviertel fertig - an einer Wand.  Der jüngere Mann im besser werdenden krächzen, kommt : „Oh, cool, wenn  W-I-R das so lassen, kann man das bestimmt an irgendwelche Studenten teuer vermieten.“  „Hmm, und wo wohnen W-I-R dann?“ Frage ich ihm in den Flur hinterher, weil er natürlich das Weite sucht und mich nicht bei MEINER Arbeit stören will.

Der Ältere kommt und nestelt mit einem Pinzettengriff einen winzigen ohnehin fast nur noch zufällig haftenden Fetzen von der Wand und stellt sich grinsend vor mich.  „Die ganze Tapete haben W-I-R jetzt gemeinsam abgekratzt!“ Ich sagte ihm „Wenn du nicht sofort verschwindest, hast du für dich mit „abkratzen“ schonmal genau das richtige Verb benutzt!“

Alles gut in Wirklichkeit, es war ja vereinbart, dass sie nicht helfen. Aber das mit dem W-I-R wird leider nicht immer so verinnerlicht. Für Mülleimer, Wäsche oder zum Beispiel das Abflusssieb in der Dusche gibt es dieses gemeinsame Gefühl nicht.

Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich mit Anfang zwanzig auch kein W-I-R Gefühl. Ich lebte in meiner kleinen Wohnung und wenn ich nicht abspülte, heizte oder Fenster putzte (ok. -  ziemlich blödes Beispiel) tat es kein Anderer.  Andere Zeiten-anderes Leben.

 
 
 

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