To(rt)ur de Lac Werbellin

Nunja, die Cracks des Sports radeln zur Zeit in Frankreich oder sind verletzt. How ever, ich gehörte da sowieso noch nie dazu. Meine Runde zieh ich durch die Schorfheide um den dort größten See.

Nun gibt es zahlreiche Märchen, Mythen und Fabeln um dieses märkische Überbleibsel der glazialen Vergangenheit. Sie sind alle wahr, wenn sie nicht gelogen sind. Geologisch wäre nicht auch Georgisch oder Geografisch, wenn ich nicht all diese Geschichten kennen würde oder sogar selbst verfasst hätte. Zum Beispiel die, bei der die Nazis in den letzten Kriegstagen im April 1945, große Teile des bis dahin fast unversehrten Bernsteinzimmers über den See schiffen wollten. Leider ist in der Mitte des Sees das vollkommen überladene Boot aus unerklärlichen Gründen, binnen Sekundenbruchteilen gesunken. Seit dem kann man wenn im April Vollmond ist, zwischen 23 Uhr und morgens 4 Uhr zur vollen Stunde die Schiffsglocke läuten hören.
Ab heute gibt es Geschichte mehr.
Auf der Nordseite des Sees, führt der asphaltierte Fahrradweg entlang der Straße mit einigen Blickkontakten zum See. Ein bisschen wie die Straße auf der man vorzugsweise mit einem roten Alfa Sportivo im Sonnenuntergang um den Gardasee kurvt. Nur das es hier auch durch den Wald geht und dass das Tretlager des Stahlrosses ordentlich bewegt werden muss um vorwärts zu kommen. Am oberen spitzen Ende des Sees warten überraschender Weise die heimtückischen Werbellinberge auf den Radler. Wer hat noch nicht von ihnen gehört? Ich! Kreuz und quer windet sich nun der, nennen wir ihn Weg, durch die Schluchten. Serpentinen verbinden Talsohle mit Gipfelpunkten.

20 brutale Höhenmeter galt es mehrfach zu überwinden. Abwechslungsreiche Ausblicke entschädigen für die unmenschliche Marter. Das Brennen in den Oberschenkeln und Waden ist nichts verglichen mit der Furcht, welches durch das Knacken und Knirschen welches an meine Ohren dringt ausgelöst wird. Ich bin mir nicht sicher, ob das Geräusch von der 8 Gang Narbenschaltung oder von meinen Knien verursacht wird. Der meist geschotterte Waldweg zieht sich aushügelnd sonnendurchflutet durch Buchen und Kiefern. Zum Glück gibt es in Altenhof eine Pause mit Fischbrötchen und Softeis.

Wenn das mein Magen aushält, überlebe ich alles. Von da an geht es dann ganz lauschig am Südufer entlang durch den Wald nach Eichhorst. So langsam bemerke ich, dass dieser Sattel mit ungewöhnlichem Druckpunkt nicht für meine anatomischen Merkmale gemacht ist und die Durchblutung einer nicht ganz unwichtigen Körperregionen äußerst eingeschränkt ist. Ich werde wohl Wochen brauchen, ehe wieder alles schmerzfrei funktionieren wird. Egal, nach nahezu 50 Kilometern darf ich das Zweirad wieder in den Schuppen stellen und mich regenerieren. Schön ist Brandenburg, man durchquält es viel zu selten.







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