Reha Sport

Das ist all das, was man als 20 Jähriger belächelt.
Was war ich früher gelenkig, im Verhältnis zu jetzt. Mit durchgedrückten Knien die Handflächen auf den Boden drücken oder beim Fleischerhaken hinterrücks die Handflächen aufeinander legen - ging zu jeder Tageszeit. Heut berühren sich auch nach stundenlangem aufwärmen und dehnen nicht mal mehr die Fingerspitzen. In dem Maße in dem man sich soziale Skills antrainiert hat, zur tragenden Säule und brassigem Teil der Gesellschaft wurde, so sank direkt proportional die eigene Beweglichkeit und man fuhr sich im Morast des Lebens fest, mit jeder Verpflichtung mehr. Das trifft auf so ziemlich alle Lebensbereiche zu und ist im höchsten Maße beunruhigend. Denn körperliche und geistige Flexibilität sind untrennbar miteinander verbunden. Während der ersten 40 Arbeitsjahre wurde bedingt mein Geist und unbedingt mein Körper gefordert. Die geistigen Nachfeierabendherausforderungen wählte ich temporär dazu. Kreuzworträtsel, Sudoku, Kneipenquiz, die liebe Kinderschar, Kunst und Kultur in vielen unterschiedlichen und erschöpfenden Formen. Alles gut. Aber nun, da ich schmerzhaft feststellen musste, dass mein Körper nicht mehr so geschmeidig wie vor zwanzig Jahren innerhalb der selbstgewählten 50 Stunden Arbeiteitswoche über das Krüppelwalmmansarddach stürmt, wird es Zeit, auch auf diesem Feld für Ausgleich zu sorgen.
Über einen Freund komme ich jetzt in den Genuss einer wöchentlichen fachlich angeleiteten Sportstunde, die Gegenwirkung haben könnte. Er, einer der wenigen bekennenden Körperlegastheniker die ich kenne, rutschte selbst vor Jahren dorthin. Glücklicherweise hatte er einen Skiunfall und brauchte von da an, nach der abgeschlossenen Akutversorgung, Hilfe zur Selbsthilfe. Nach nur zwei Jahren begleitetem dehnen, strecken und drehen waren seine Schulter (unoperiert) sowie der malträtierte Restkörper tadelloserer denn je.
Ich hab zwar keine signifikante Ad hoc- Verletzung, die mich für allgemeinen Reha Sport qualifiziert, aber wenn die Konzentration der schmerzsenkenden Mittelchen im Blut, um halbwegs über den Tag zu kommen, kein signifikanter Hinweis auf die Bedürftigkeit ist, dann begründen die Summe der verschlissenen Knorpel, Gelenke, verkürzte Sehnen sowie die ramponierten Nerven oder fehlende Muskeln endgültig die Teilnahme an jeglicher Form rekonvaleszierenden Maßnahmen. Da ich noch nie an Wunder glaubte, erwarte ich auch jetzt keine Leistungsexplosion meiner Hülle. Es wäre schon toll, wenn der Staus quo annähernd gehalten werden könnte. Selbst wenn sich das nur als eine freudsche Fehlleistung erweisen sollte, habe ich von nun an regelmäßig gemeinsame Zeit mit einem Freund. Körper und Geist gehören eben doch zusammen! Auch wenn dann bei ernsthaften Übungen auf einer fliederfarbenen Gymnastikmatte viel gelacht werden könnte, hoffe ich auf einen sinnvollen wöchentlich Termin. Win-Win!






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