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Brigitte Hartling hat die Wal

21. Apr.
2 Min. Lesezeit

Häh, das gab es noch nie, stöhnt Brigitte als es ernst wird. Der Befehl kommt von der Staatsregierung und beinhaltet die Absperrung der Wismarer Bucht. Zumindest von der Landseite her. Dabei liegt der Klops doch im Wasser, oder? Es steht die berechtige Frage im Raum: was hat die Kriminalpolizei der Landeshauptstadt damit zu tun?  Die klare Antwort die sie sich leise selbst gibt ist: „Wer soll es sonst machen?“,  was streng genommen auch eine Frage ist! Aber so klugscheisserisch oder rechthaberisch ist Brigitte nicht unterwegs.

Auf Ministerebene gab es eine Konferenz zur Lage an der Wasserkante. Der Meeressäuger der sich verirrt hat und dauernd zielsicher die Untiefen und Sandbänke der Bucht aufsucht, wird zum Kulturgut. Oder besser gesagt, soll er es nicht werden und dafür soll nun unter anderem Brigitte und ihr Team sorgen. Sie soll verhindern das es eine Tierwohlgefährdung gibt, dass Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit diesem Urvieh in Umlauf gebracht werden oder von der esoterische Meute hysterische Stimmungen verbreitet werden. Ebenso sollen Reichsbürger, die merkwürdig nahe an der Bucht wohnen genauso wenig eine mediale Bühne erhalten wie profitsüchtige Kleinstpolitiker, zweifelhafte Hobbymeeresbiologen (geschätzt 80 Millionen) und selbsternannte indigene Menschen mit gewaltfrei gebastelten Riesentraumfängern aus Sackhaar und Schilf. Schwierig wird für Schwesig und Hartling das Fernhalten von radikalen Tierschützern oder der übergriffigen Presse. Nun ist Brigitte so ziemlich alles, aber Expertin im Umgang mit Walen ist sie nun wirklich nicht. Mit hohen Tieren und Typen die äußerlich Robben oder Walen ähneln, naklar da kennt sie sich aus. Aber den Unterschied zwischen Silberfischchen und Buckelwalen - nee.

Aber erstmal gibt es Frühstück. In der Altstadt gibt es doch irgendwo etwas zu beißen! Da kommt das Büdchen vom lokalem Fischersfritze wie gerufen.  Der möchte zwar nur Fischbrötchen verkaufen, aber spinnt doch auch gerne mal ein bisschen Seemannsgarn. Der legendäre Ururgroßvater mütterlicherseits von ihm, Raubein und Halunke war nämlich bestimmt der zweite Maat auf dem letzten erfolgreichen Walfänger der auf der Ostsee kreuzte. Mindestens! Auf jeden Fall erzählt der Fischersfritze nicht nur solch Zeug, er hört auch die neusten Nachrichten aus dem hanseatischen Buschfunk. Und das ist im Zweifel zuverlässiger als alle offiziellen bundesdeutschen Geheimdienste der Welt. Brigitte nimmt ein Matjesbrötchen für „nur“ 8 € und lässt sich auf einen Zehner nix wiedergeben. Für zwei Euro bekommt sie nun einen halbstündiges Prosemimar über Meereskunde und Volkes Meinung zur Qual des Wals. Mit rauchendem Kopf und latent fischigem Gefühl nimmt sie nach dem Frühstück ihre Amtsgeschäfte wieder auf. Sie ist überaus glücklich darüber, dass ihr Fachgebiet nicht die Sicherheit des Wals sondern der Menschen betrifft. Brigitte kann sich überhaupt nicht vorstellen, wie verwirrt man sein muss, um in der Wismarer Bucht zu stranden. Als einsamer Mensch ist es schon fast unerträglich langweilig hier, wie muss das erst als Wal sein? Nun muss Brigitte nicht als Walflüsterin in die Geschichtsbücher eingehen. Ihr würde es reichen, das Vieh bekommt ein handbreit Wasser unter dem Kiel und braust hinauf in das ach so tiefe Wasser, rauschende Wellen, tosende Fluten. Hauptsache weit weg von der beschaulichen Landeshauptstadt des nordöstlichen Bundeslandes. Dann könnte sie sich wieder um die dort lebenden Viecher kümmern! Schlussendlich tut sie mit polizeilichen Präzision ihre mutterländische Pflicht (Frau Schwesig ist ja Landeschefin) und organisiert alle absperrenden Maßnahmen. Ob es Sinn macht oder nicht, darüber können Andere entscheiden.

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