Ü 50, ich bin dabei!
- Georg

- 28. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Eigentlich hört das, was wir bisher Leben nannten, spätestens dann auf. Im Mittelalter war man Greis ab fünfzig, falls man dieses biblische Alter überhaupt erreichte. Zumindest wird vieles anders. Flugzeuge verschwinden nicht nur aus Tempelhof und Tegel, auch im Bauch ist es wenn es brabbelt, brubbelt oder rumpelt nicht mehr der verliebte Propeller des Rosinenbombers. Männer kleiden sich zwar immer noch in zu engen Hosen, aber dafür werden die Gewänder der Damen immer wallender und erreichen manchmal fliederfarben beängstigende Größen von vollflugfähigen Heißluftballons. Auch werden sich die Geschlechter untereinander immer fremder und entwickeln, jedes für sich Eigenheiten, die man in der Kennenlehrphase für unglaubwürdig gehalten hätte. Männer kaufen sich, wenn die Lebensversicherung ausgeschüttet wird, sündhafteste Motorräder, auf denen sie ohne orthopädische Hilfe nicht platznehmen können. Und wenn Frauen finanziell oder und zeitlich unabhängig sind, gründen sie einen Wildtierrettungsverein oder nehmen halbjährliche Malkurse beim Aquarellguru auf einer dieser romantischen Kanalinseln. Es gibt zwar hin und wieder Paarbestätigungsküsschen, ansonsten noch Geburtstagsumarmungen oder oftmals verdiente leichte Denkzettelstupsereien auf den Hinterkopf. Wenn Männer herzhaft über wunderbar kindische Witze lachen, rollen Frauen genervt die Augen. Wenn Männer ihre Ruhe genießen wollen, müssen Frauen genau in diesen Moment durch stundenlange aufgeregte Monologe erklären, was ihnen schon lange auf den Nägeln brennt. Die männlichen Nächte werden jäh von zum Teil mehrfachen Toilettengängen unterbrochen. Die des anderen Geschlechts, durch Grübeleien, Schilddrüsenüberfunktion, Vollmondeinflüssen oder Alltagssorgen beeinträchtigt. Wenn es dann gemeinsame Zeit gibt, ist der eine müde oder der andere muss mal Mails checken. Streit und das ist jetzt mal wirklich eine gute Nachricht, findet viel weniger statt. Entweder, man hat nicht mehr so viel Energie dafür, man resigniert wegen attestierter Beratungsresistenz oder man hat sich schlicht an die kleinen nervenaufreibenden Spezialeffekte des Anderen gewöhnt. All das findet natürlich nur statt, wenn es keine ernsthaften monetären oder gesundheitlichen Probleme gibt, die fremdgesteuerte berufliche Verpflichtung nicht im Übermaß nervt und bei Kindern sowie der Vorläufergeneration keine unaufschieblichen Operationen am offen Herzen ausgeführt werden müssen. Sind solche oder ähnliche Veränderungen zu verhindern? Nein! Höchstens durch vorzeitiges sozialverträgliches ableben. Sind die Veränderungen wünschenswert? Ja! Denn Nix ist schlimmer, als gelangweilter Gleichklang. Jede Veränderung ist auch eine Chance. Und auch wenn nicht immer alles besser wird, weiß man ja aus der Lebenserfahrung, “es ist nur eine Phase“!





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