Trüber Winterblues, alljährlich
- Georg

- 18. Jan.
- 1 Min. Lesezeit

So verlässlich wie der gesamtgesellschaftliche Kater - Sylvester heißt, folgt im Januar der Blues, auf den man gerne verzichten möchte. So überflüssig wie Herpes, folgt er auf herzliche Neujahresumarmungen mit Wangenkontakt. Die außergewöhnliche weiße Pracht, die das Hauptstadtgrau, welches traditionell im ersten Monat in allen Schattierungen der Farbpalette auf Straßen, Wegen und Plätzen zu bestaunen ist, welches vorübergehend als ein frenetisch gefeiertes Wunder begrüßt wurde, ist den normalen Verhältnissen gewichen. Geschmolzen, getaut, dahingeflossen, erst verflüssigt dann verflüchtigt. Zurück blieb angetauter Matsch, gern mit Restglätte und gehörig Streugutbeimengungen, welcher zu einem untrennbaren Konglomerat vermengt den grauen Asphalt auch nicht aufhübscht. Als aufgewirbelter Sprühnebel legt sich das toxische Gemisch auf Brillengläser, Autodächer und alles was nicht bei drei in einer Therme verschwunden ist. Zu kalt, zu glatt, zu oll um auf schrägem Terrain kleine und große Heldentaten zu begehen. Genauso zuverlässig, wie ich für meinen Vitamin D Spiegel meinen Aufenthaltsort für den Januar falsch wähle, komm ich mental nicht nur auf die besten Gedanken.
Ein Werktag um 9.00 Uhr, die Sonne wird sich heute nicht zeigen. Wozu soll ich also aufstehen? Krank, so die Eigendiagnose, bin ich nicht. Ich schreibe mir trotzdem eine Selbstmemo: “Arbeitsunfähig bis Ende des Monats“!
Stattdessen komme ich meinen familiären Verpflichtungen nach, putze oberflächlich das heimische Refugium, erledige lästige Einkäufe, imitiere ein bisschen das Schreibtischordnen und gebe allgemeine Geschäftigkeit vor, irgendwas ist schließlich immer. Vielleicht schaffe ich es sogar ins Museum. Oder meine Kraft reicht für Freundschaftsbesuche oder es etabliert sich eine neue gesellschaftlich relevante Veranstaltungsreihe „Kaffeeklatsch mit Georg zum Selbstkostenpreis - Termine online verfügbar!“ Ich sag ja, nicht nur die besten Ideen.



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