Skizirkus
- Georg

- 14. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

In ein paar Tagen zieht die Karawane wieder gen Süden. Mit ihr, ganz sicher auch ich. Dies geschieht von unsichtbarer Natur gesteuert, wenn nicht antizyklisch, dann doch stark verspätet zu den Störchen. Um die fabelhaften Adebare macht der, der mit der Familienplanung abgeschlossen hat, ohnehin einen großen Bogen. Wie auch immer, die Hauptstadt leert sich. Die Februrferien beginnen in Berlin schon im Januar. Das kommt meinem ungeduldigen Naturell sehr entgegen. Also die persönlichen Klapeiken werden in den Kofferraum tedrisartig einmassiert und dann geht’s mit uns schleunigst rauf auf die Piste, auch wenn diese erstmal für hunderte Kilometer nur auf den Namen A9 hört. Ich betreibe diesen verrückten Quatsch schon mehr als zwanzig Jahre. Als aktive Vorbereitung auf die körperlich herausfordernde Woche wären ab November tägliche Kniebeuge oder leichte andere stabilitätsfördernde oder kräftigende Übungen toll gewesen. Naja, was soll’s- hätte, hätte, Skistafette. Stattdessen habe ich mir passiv einen hoffentlich wärmenden Gesichtspullover durch mangelnde Rasur stehen lassen. So kann sich Mann mit „nichts machen“, auch prima vorbereiten. Ein begeisterter aber nicht unbedingt begnadeter Wintersportler bin ich vom ersten Moment an gewesen. Nur weil man nicht besonders gut ist in dem was man freiwillig macht, heißt es ja nicht, dass man nicht mit Hingabe und Leidenschaft dabei ist. Für mich sind die Berge zu jeder Jahreszeit ein Traum. Im Sommer kraxel ich gerne hoch und im Winter rutsch ich wieder runter, passt scho! Bei Schnee und frostigen Temperaturen zählen für mich nicht nur die gemachten sanften Schwünge mit an die Füße geschnallten Latten auf gut präparierten Pisten. Mein Herz schlägt insbesondere auch für tollkühne (andere sagen hirnverbrannte) Momente auf Kufen im sitzen bzw. liegen.

Rodeln, gerne auch als Challenge, bis, nein nicht bis der Arzt kommt. Die Kunst genau das zu vermeiden und trotzdem eindrucksvoll zu performen ist mir bisher geglückt. Genau diese Gratwanderung zwischen unkontrolliertem Irrsinn und gewagten physikalischen Grenzerfahrungen machen den Reiz, den Thrill aus. So ähnlich stell ich mir die letzte Herausforderung der Menschheit als Kampf mit den Naturgewalten vor. Vergleichbar höchstens noch mit dem verzweifelten Überlebenskampf eines Nichtschwimmers im 30 Meter Meereswasserbecken mit Gegenstromanlage oder einen Tiefseehöhlentaucher irgendwo in der Antarktis ohne Atemtechnik, Orientierungshilfe und Beleuchtung.
Auch abseits der weißen Pracht genieße ich jede Sekunde der Reise zu meinen Sehnsuchtsorten. Das Gesamtpaket aus Landschaft,


ortstypischem kulinarischem Kulturgut, den gastfreundlichen Unterkünften

und nicht zuletzt den vielen gemeinsamen Abendstunden mit den selbstgewählten Mitreisenden die mitunter zur Spielhölle oder Quasselhalle werden, sind viel mehr als nur die Summe der einzelnen Summanden.
Da die von mir geschilderten vorstehenden Buchstabenkombinationen nur meine unmittelbare und lichterloh brennende Vorfreude auf die nächsten Tage ausdrücken sollen, werde ich wieder mein berühmtberüchtigtes feuriges deutsches Temperament zügeln und aufmerksam sein, die sich abzeichnenden Grenzen zu erkennen und diese dann auch zu respektieren. Meistens sind es die Grenzen des eigenen Könnens in Verbindung mit alpinen Terrain und den wettertechnischen Verhältnissen. Demut und Dankbarkeit gehört für mich zu jedem Bergurlaub dazu. Mal sehen- wie gut das alles funktioniert. Ski und Rodel jut!




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