Ökokrach
- Georg

- 3. Mai
- 1 Min. Lesezeit

Kaum sind die Gäste gegangen, die letzten Lachsalven verhalt und die Autotüren mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde fast geräuschlos zugeschlagen, geht das mäßige und aufgrund der zunehmenden Entfernung stetig abnehmende Dieseln im zweitem Gang des 7 jährigen Verbrenners fast unmerklich in das vom Wind gewogene Rauschen der benachbarten mächtigen Kieferkronen über. Zurück bleibt ansonsten nur nächtliche Stille. Nur wenig später zeigt sich im Osten bereits ein schwacher silbriger Schein, der unaufhaltsam den Himmel erklimmt und verlässlich ins goldgelbe Sonnenlicht mündet. Begleitet wird das optische Wunder von einem vielstimmigen und überraschend lautem Orchester aus Tschilp, Pieps, Fieb, Tweed, Chiep-Chiep, Twjliip, Cui-Cui und weiß der Vogel noch für Fremdsprachen. Gefiederte Freunde aus nah und fern bevölkerten die Lüfte auf der morgendlichen Nahrungssuche. Irgendwie scheint der unsichtbare Dirigent seinen Chor nicht wirklich im Griff zu haben. Alles plärrt, brüllt und schreit durcheinander, ohne erkennbaren Rhythmus, maximal unterschiedlich intensiv und undenklich vielfältig. Kuckuckslaute, Spechtgeklopfe und entferntes Entengeschnatter dringen als sonorer Begleitton an die gebeutelten Ohren. Als nun die Sonne endgültig die Herrscherin am Himmel ist, ändert sich der Sound. Ein Brummen, Surren, Zischen, Zirpen und Sirren erobert jetzt die Lüfte. Die insektomane Geräuschkulisse aller Couleur ergießt sich mit voller Wucht über die naturnahe Umgebung und setzt sich sirupartig auf die Trommelfelle der zweibeinigen Säugetiere. Mit der sprichwörtlichen Ruhe der Natur wird es nun natürlich nichts mehr, aber es ist ein wohltuendes Erlebnis als Gegenpol zur zivilisatorischen phonetischen Umweltverschmutzung. Kein Mensch hält das auf Dauer aus. Und so klopp ich mir nach diesem Wochenende auch wieder städtische Geräusche auf die Ohren, versprochen!




Kommentare