Game over, Reset und Neustart
- Georg

- 8. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Schneller, Höher, Weiter?- mitnichten!
Es geht nicht immer so weiter. Wachstum ist endlich.
Erholung aber auch. Klar, die selbstverordnete Bauchnabelshow, das mit sich selbst beschäftigen ist prima - grade wenn man das im Vorfeld lange nicht gemacht hat. Aber es fehlt eben auch das vertraute Leben. Der positive Stress, der einen maßvoll antreibt. Dafür sorgt, dass man nicht verlottert. Es ist doch erstaunlich, was sich da alles ins Leben drängt, wenn es erstmal Freiraum gibt. Nichtigkeiten und Schwachsinnigkeiten vielschichtiger Natur oder Lappalien - welche man neben der Arbeit und dem Familienwahnsinn nebenbei erledigt hatte, werden zu tagesfüllenden Angelegenheiten. Brötchen holen, Frühstück machen, rausbekommen welche Serie als nächstes gestreamt werden soll und der Tag ist rum. Progressive Degeneration.
Gottseidank, gibt es ja, ich sag mal, Rettungsversuche des alten Lebens, in Form von Telefonaten und elektronischen Nachrichten auf allen einschlägigen Kanälen, die mich erreichen und hinlänglich fordern. Entweder, es ist pure Verzweiflung der Menschen die mich kontaktieren oder ich habe in der Vergangenheit nicht alles falsch gemacht. Irgendwas dazwischen reicht meinem Ego, um den Rücken durchzudrücken und mit einem erhobenen Kopf in einen geschäftsmäßigen Trab mit kontrolliertem Tempo zu fallen. Die ersten Schritte nach vielen Wochen Pause fallen schwer, aber schnell finden die wichtigsten Informationen im Hirn innerhalb der gewohnten altvertrauten Ablagesysteme ihren Platz und veranlassen den Restkörper zu angemessenen Reaktionen. Es ist noch ein bisschen teigig, aber ähnlich einem Kniegelenk, kommt nach anfänglichem ruckeln mit der vielfachen Wiederholung der Beugung, vermehrt Schmierflüssigkeit dazu und das quietschen hört auf, über kleine unebene anfängliche Widerstände flutschten Sehnen und Muskelstränge dann einfach unproblematisch weiter, die Bewegungen werden wieder runder, ja fast geschmeidig und alles fällt deutlich leichter, als zu Beginn des Vorgangs. Das ist zwar nicht komplett schmerzfrei aber nicht überdurchschnittlich problematisch. Und so komm auch ich zurück in den Alltag. Erst beende ich kleine bauliche Notlagen mit nicht aufschiebbarer Dringlichkeit und dann kümmere ich mich nach und nach um länger geplante Eingriffe in bestehende Misslangen. Ich werde versuchen, die Prozesse nicht zu überfrachten und hinreichend Pausen einzuhalten, denn auch ein vortrefflich geöltes mechanisches Wunderwerk darf nicht heiß laufen. Man sollte mittels funktionierender Feinsteuerung nur in der konzipierten Drehzahl beziehungsweise Frequenz Verwendung finden. Da ich, ähnlich einem alten Schiffsdiesel, am besten in Bereichen unterhalb von 3000 Umdrehungen gleichmäßig verschleißarm schnurrend oder tuckernd unaufgeregt vor mich hin funktioniere, werden Ausflüge in rote Bereiche zwar nicht komplett ausgeschlossen aber zukünftig auch nicht sehr viel wahrscheinlicher. So oder so, ich bin zurück!





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