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Warum ich bisher einfach keinen Krimi hinbekomme!

  • Autorenbild: Georg
    Georg
  • 4. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Oh, das kann natürlich viele Gründe haben. Zum Beispiel auch den, dass ich kein gutgenuger Erzähler bin und schon gar nicht das schreibe, was andere Menschen gerne lesen wollen. Diesen Punkt, der natürlich weit hergeholt erscheint, möchte ich jetzt lieber nicht weiter beleuchten. Und nur weil ich eventuell eine Sache nicht besonders beherrsche, heißt es ja noch lange nicht, dass ich es nicht doch versuchen kann. In dem Fall unterscheide ich mich nicht von der hier herrschenden politischen Klasse. Vielmehr glaube ich, dass ich durch meine jahrelange Sozialisierung durch Polizeiruf, Tatort, Derrick, Soko 57/13, Nord Nord Mord und allen anderen fernsehtauglichen Formaten, bestens ausgestattet wurde. Von regelmäßigen dramaturgischen Schwächen des Vorgenannten abgesehen, sind mir verschiedene Muster und Erzählweisen vertraut. Der Gärtner, die böse Stiefmutter oder ein entlaufender Sträfling werden 5 Minuten vor Ende in die Geschichte gewoben und sind wenn nicht der heimtückische Mörder, dann doch mindestens Kronzeuge oder selbst das Opfer. Mehr Kombinationsgabe ist dem gemeinen Zuschauer innerhalb von 90 Minuten nicht zu zumuten. Um es spannend zu gestalten, webt der Autor irgendeine abgefahrene und möglichst ungleiche und dementsprechend unglückliche Liebesverwicklung in die Geschichte oder ein berühmter Komponist wird für den Soundtrack engagiert. Wahlweise wird der Rahmen der Handlung  in exponierte Lagen der Alpen oder an Hochöfen im Ruhrgebiet, fabrikgroße Fließbandschlachthäuser oder verlassene Kinderheime gelegt. Das hebt nicht unbedingt den Spannungsbogen aber rechtfertigt enorme Produktionskosten und sieht bestenfalls sehr interessant aus. Nur wie die kriminelle Energie in Buchstaben gepresst wird, ist mir weiterhin ein Rätsel. Wie erfindet man etwas, von dem man keine Ahnung hat? Ich hab schon beim Rasenlatschen ein Problem. Beim Falschparken bekomme ich Hitze und Klauen - setzt mich unter Fieber. Klar weiß ich, dass man nicht in Wohnungen einbricht, andere Menschen nicht mit dem 30 cm langen Jagdmesser skalpiert oder wahllos mit dem Kleinkalibergewehr vom Rummel dutzende Passanten erschießt. Als Fiktion ist das freilich alles vorstellbar, aber wie das glaubhaft in eine Geschichte einmassieren? Außerdem, soll die Geschichte mit belanglosem Vorgeplänkel sich langsam und unaufhaltsam steigern, ähnlich einem schönen Sommertag der mit zu Beginn mit leichten und immer deutlichen Veränderungen der Verhältnisse in einem alles reinigendem Gewitter kollabiert und dann mit der furchtbar brutalen, unvorstellbar blutigen und rücksichtslosen Tat gipfelt?

Oder soll das Ereignis am Anfang der Geschichte stehen und die Erzählung quasi aus dem Rückspiegel geschildert werden? Indem die polizeiliche Ermittlung teilweise auf Holzwegen unterwegs ist und der oder die Täter schlussendlich nach unzähligen Verwirrungen doch gefasst werden und ihre gerechte Strafe erhalten. Oder eine Mischung aus beiden Art und Weisen? Und zum Schluss muss das alles noch in einer Sprache formuliert sein, die nicht einschläfert, Neugier weckt, immer wieder für charmante Ölung der Sehnerven sorgt. Den Leser nicht für dumm verkauft, fesselt und nur in Salamitaktikt so viel verrät, wie zum Fortgang der Handlung unbedingt nötig erscheint. Also, wie es nicht geht, weiß ich schon. Alles andere könnte folgen.



Vielleicht gelingt mir ja  die Quadratur des Kreises oder das Holzschweißen  eines Tages? Wer geduldig genug ist, wird es irgendwann merken. Durchhalten!

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