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Vernunft ist ungeil

6. Sept.
2 Min. Lesezeit


Auch ohne die tollen Bilder aus Medien und sogenannten sozialen Netzwerken die täglich pausenlos auf uns einprasseln, wusste ich das schon. Mein Leben  oder was ich dafür halte, gestalte ich deswegen, soweit es in meinen Händen liegt, intervallartig. Das passt auch gut zu meinem nicht mehr ganz so jugendlichem physischen Alter. Ständiges aufhalten auf der Überholspur ist ja auch nicht grade ungefährlich. Klar, ich freu mich auch über sensationelle Situationen, grandiose Momente, einzigartige Augenblicke. Höhepunkte sind wichtig! Um diese gehörig zu erkennen und gebührend zu werten, braucht es aber Abstand, Pausen oder Distanz. Typen wie ich, bei denen ADS vorsichtig formuliert nicht gänzlich ausgeschlossen ist, lernen das nicht automatisch. Immerhin kann ich ein H bei mir nicht wirklich diagnostizieren. Man kann ja auch nicht immer hier schreien, wenn das Schicksal zweifelhafte Geschenke macht. Was nutzt mir die Information, dass dem Versetzungsgefährdetem in der letzten Bankreihe der Bleistift abbricht und ich verschussele mir das Tafelbild abzuschreiben? In China kippt ein Sack um und ich steh vor verschlossenen Türen des Supermarktes. Im Nachbarhaus tropft der Wasserhahn, von vier Fahrrädern vor der Tür haben zwei einen Platten, Georg bekommt es mit, ob er will oder nicht. Fokus, Fokus, Fokus. Oder ich verabrede mich mit fünf Leuten in vier Tagen an drei verschiedenen Orten zu ein und der selben Uhrzeit. (die „zwei“ hat gefehlt, habt ihr auch gemerkt, oder?)

Ich bin zwar immer noch nicht perfekt im Umgang mit mir selbst, aber zum überwiegenden Teil höre ich auf mein Bauchgefühl. Das musste erst mal wachsen (genauso wie der Bauch) und ich empfinde es (beides) als vernünftige Bremse im Rausch des Lebens, die es vorher so jedenfalls nicht gegeben hat. Mit diesen selbstverordneten Pausen, komme ich Moment gut zurecht. Wie ein Glühwürmchen welches sich ab und zu hinsetzt und Luft schnappt und sich wie einem genauen selbstgestrickten Plan folgend, irgendwann wieder in die Luft erhebt und schöner, heller und aufregender strahlt als vorher.  Auch wenn nicht alle Ergebnisse meiner Mühen viel besser oder effizienter werden, so komme ich viel besser damit klar. Es macht mich insgesamt zufriedener, auch wenn ich noch zu viel nörgele, zetere oder brubbele. Enttäuschung ist das Ergebnis zu hoher Erwartung. Vielleicht muss ich diese einfach der Realität anpassen. Meistens abends, wenn ich meine sinnesorganschärfenden Hilfsmittel ablege, fängt die Welt an, gedimmt wie sie dann für mich ist, in Ordnung zu sein. Entweder ich schlummere ziemlich schnell weg oder ich schnappe mir ein gedrucktes Machwerk und tausche in die jeweilige Fiktion ein. Wunderbar!

 
 
 

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