Mietauto oder Leihwagen
- Georg

- 15. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Gewohnt an ungeheuere Fallen, in die man so treten kann, hab ich mir im Vorfeld eine vertrauensvolle Firma gesucht. Nicht grade der Discounter aber ok und vertrauenswürdig. ADAC mit örtlichem Veranstalter SIXT. Am Schalter im Urlaubsland wurden mir dann in meiner Nichtmuttersprache mannigfaltige zusätzliche Leistungen angeboten. Ein Schalk wer dahinter ein System erkennen möchte. Erst sollte es eine ganz andere Fahrzeugklasse werden, weil man das Gepäck (2 mittelgroße Koffer) nicht in dafür vorgesehenen Kofferraum bekommt, dann noch eine verwirrende und eigentlich überflüssige Tankreglung, Hol- und Bringeservice zum Fahrzeug, Mobilitätsgarantien und der gleichen mehr. Mit sehr viel Händen und Füßen, Geduld und Kopfschütteln ist mir gelungen, nur einen kleinen Aufpreis von vorher bezahltem Betrag der Kreditkarte gutschreiben zu lassen. Nach zwanzig Minuten standen wir im Parkhaus vor der grauen Blechbüchse.
Der Schlüssel ist fast so groß wie das gesamte Auto. Das sollte aber kein Nachteil sein. Auf den kleinen Straßen fliegt man, auch angeschnallt durch den Orbit des Kleinstwagens, wenn man etwa ein drittel unter der jeweils zugelassenen Höchstgeschwindigkeit bleibt. Aber das sollte als Reisegeschwindigkeit in Ordnung gehen. Durch das sehr weite öffnen der Fahrertür, das fast senkrechtstellen des Lenkrades und die horizontale Verschiebung des Fahrersitzes bis auf die Rückbank erscheint mir der Versuch im Auto Platz zunehmen nicht mehr aussichtslos. Durch pures plumpsen geschmeidig eingesaugt in den Fahrersitz, rühre ich erst unbeholfen mit der linken Hand den Schaltknüppel wie den Schneebesen in Mutters Kuchenschüssel. Als der Joystick irgendwann in gewünschter Stellung einhakt, gibt er eine solide Stütze für meinen linken Unterschenkel ab. Der ist es nämlich nicht gewohnt, im 130 Gradwinkel im Nirwana des Fußraums (auch ein kleiner Fußraum ist einer) zu verharren. Derweil muss ich mit meinem Knie arg aufpassen, nicht aus versehen Blinker, Scheibenwischer oder den in der Nähe liegenden Bedienfernseher zu bedienen und damit gefährlich in den Straßenverkehr einzugreifen. Die kleinen Front und Seitenscheiben sind ordentlich mit bunten Aufklebern ausgestattet, die beweisen, dass das Auto eine Versicherung hat und von entsprechender Firma zu Verfügung gestellt wurde. Die offensichtlich sehr zahlreichen elektronischen Assistenten melden sich mit verstörenden Tönen, dauernd piepst blinkt, fiebert oder trötet etwas. Wenn man einsteigt- Erkennungsmelodie, eine Tür nicht richtig zu ist-piepppp, wenn man zwei km/h zu schnell ist- blähhhh, wenn man an einem Schild vorbei fährt- grrr, die Spur nicht hält-bämbäm, Schlangenlinien fährt (aufgrund von Müdigkeit, Schlaglochausweichen oder böigem Wind) auf jeden Fall-plixplixplix. Ich bin ja auch nicht der Interieursguru, aber muss Plastik so aussehen als wäre es billiges Plastik und vorbereitete Ablagen dürfen auch größer als für matchbox Autos sein. Das ist doch keine Matroschka 🪆, ein Auto im Auto im Auto usw. ist ein grässliches Gefühl. Es ist natürlich auch meinem übertriebenen Geiz geschuldet, dass ich nicht mit Plüsch, hunderten von Pferdestärken und gediegenen Lederpolstern unterwegs bin. Egal , wenn ich das kleine graue Wunder, welches eigentlich genau das tut was es soll, ohne nennenswerte Kratzer oder Beulen wieder am Ende der Journey über die Grüne Insel wieder abgebe, ist der Sache Genüge getan. Und das noch alles auf der anderen Straßenseite!!!!.




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