Der Weg
- Georg

- 19. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Und kost Benzin auch drei Mark zehn, scheißegal, er wird schön gehn!
Ich habe mal irgendwo gelesen, dass wenn man zu viel wiegt oder man zum Beispiel 15 cm zu klein für sein Idealgewicht ist, oder das bisherige Leben einfach nicht mehr passt, sollte man jeden Tag 10 Kilometer laufen. Nach 30 Tagen weiß ich zwar nicht wie viel Gewicht man verloren hat oder welches Fitnesslevel man erreicht hat, aber man ist ungefähr 300 Kilometer von seinem alten Leben entfernt. Da das irgendwie aber keine wirkliche Option ist, probiere ich es erstmal mit einer einmaligen Fußtour. 22 Kilometer durch den Barnimer Naturpark.

6.30 voller Tatendrang steh ich nach den ersten 600 Metern an der Bushaltestelle. Sechs Stationen bis zum Pankower Bahnhof. Die nächste Etappe mach ich mit der Stadtbahn. Allen Unkenrufen und den Mitarbeitern der Siemens Bahntechnik zum Trotz, keine Stattbahn. Gruß 👋 hiermit an die fleißigen Menschen. Es wird viel zu wenig gelobt in Deutschland. Egal, Punkt 7.20 Uhr MESZ treffe ich in Bernau Hauptbahnhof ein. Die Luft richt noch nach Regen und der abgezogene Schauer hat die ehemalige Kreisstadt des Bezirkes Frankfurt/Oder für den ankommenden Hauptstädter rein gewaschen, grade so als wenn Besuch kommt und man vorher nochmal die Bude durchfeudelt. Da ich ja schon immer immun für Bestechungsversuche war und ich diesen Ort schon einige male gesehen habe, stolpere ich innerhalb von 5 Minuten in Richtung Norden aufs Land. Dort geht es erstaunlich geordnet zu. Eine astreine Landstraße mit nebigen Radweg. Asphalt mit europäischen Fördermitteln, wie stolze Schilder verraten. Durch Rüdnitz nach Biesenthal.

Halbzeit der Strecke. Von hieran geht es durch den Wald 🌳. Endlich ändert sich nicht nur die Umgebung, sondern auch der Soundtrack. Gepiepste laut und leise, gedehnte und hektische oder gelassene Rufe der Vogelwelt.

Sanfte abrollende leicht schmatzende Laute der Wanderschuhe 🥾 in gleichmäßiger Frequenz geben die Baseline. Ab und an ein kleines brechen eines Zweiges und sonst Nix. Maximale Freude beim durchschreiten der Kalafazien. Laut georgischem Wörterbuch: Stämme, die bis zum sichern Stand in das Erdreich gegraben werden und am oberen Ende mit Grünzeug versehen sind. Genau meine Umgebung!

Menschen begegnen mir nicht. Nur ein sogenannter Sportler auf einem Gravelbike. Ein solides Rennrad mit einer alltagstauglichen Ausstattung oder einfach nur ein vernünftiges Fahrrad! Ach und zwei fast bis zur Unkenntlichkeit mit schriller Sportmode, Funktionskleidung und technischen Equipment behängten Pensionären auf E-Bikes, mit einem verdächtig wackeligen Fahrstil. Das Wetter spielt seine schönste Maistimmung aus, der Rücken ist schweißnass und der Hut verhindert übermäßige Sonnenschäden auf meiner Kopfhaut. Die Beine freuen sich, als sie die letzten 2 Kilometer auf vertrauten Terrain unterwegs sind und der Rest des Körpers auf einen stillen Keks (ruhiges Plätzchen) im Halbschlaf zur regenerativen Erholung am Nachmittag. Gerne mach ich das wieder, aber dann mit weniger asphaltierten Streckenabschnitten.




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