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Back to the Roots oder Retour aux Sources

  • Autorenbild: Georg
    Georg
  • 25. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Auch wenn ich eigentlich gar nicht genau weiß, wo örtlich meine Wurzeln wirklich liegen. Wenn die Wurzeln tiefer gehen und besser verzweigt sind als man Selbst auf dem Erdball wandert, dann ist Gesamteuropa sehr wahrscheinlich. Es ist mir auch ganz bestimmt egal, ob ich Flach- , Tief- oder Herzwurzler bin, Hauptsache ich bin solide verankert. Somit stimmt die Überschrift natürlich im Prinzip immer.

Ein bisschen genauer wird es, wenn man an den Augenringen des Betrachters dreht und mit dem Ranzoomen der Blende die Tiefenschärfe der sich bietenden realen Tatsachen erhöht. Auch wenn man das normalerweise nicht so gerne an die große Glocke hängen möchte und eher, falls es nicht mehr zu leugnen ist, als Unfall der Geschichte runterspielen möchte, gestehe ich hiermit, dass es zwei plus x Jahre in meinem Leben gab, in dem meine polizeiliche Meldeadresse mit „1140 Berlin Marzahn“ in meinem Ausweis prangte. Als wenn dieses Makel, dieses Brandmal auf der Seele, kleiner wird, bloß weil es nicht mehr geheim ist, egal. Nun, für mich waren es keine schlimmen Zeiten, weil es gleichzeitig in für mich sehr aufregenden jugendlichen Momenten stattgefunden hatte, in denen es fast egal ist wo man sich örtlich aufhält. Freunde und vorallem Freundinnen sind in der mittleren Pubertät viel wichtiger als Straßennamen. Diese marzahner Narbe ist weder wetterfühlig noch pocht, juckt, nässt oder spannt sie in wolkenlosen Vollmondnächten. Was ich aber aus verschiedensten berechtigten Gründen aus dieser Zeit mitgenommen habe, ist der unbedingte Wille nicht in monotonen Stadtrandsiedlungen, egal in welcher Himmelsrichtung sie um eine Metropole liegen, mein Dasein zu fristen. Das hat natürlich nicht nur mit tatsächlich gemachten, teils unangenehmen Erfahrungen zu tun. Klischees und gut gepflegte Vorurteile tragen auch viel zur gehegten und gelebten Abneigung bei. Drum sieht die augenblickliche Situation für mich schon fast nach dem geschichtlich ausgestreckten Mittelfinger der rechten Faust aus. Denn als ich für mich nach einem berlinweiten öffentlichen Angebot der kulturellen oder intellektuellen Bereicherung suchte, wurde ich in Marzahn fündig. Ausgerechnet direkt gegenüber, quasi in Steinwurfentfernung, und ich bin ein schlechter Werfer, zu meinem damaligen Fenster in der fünften Etage des Betonplattenstapels, wird ein Kurs angeboten, zu dem ich thematisch keine zweite Einladung benötige. Da auch ich nicht ganz frei von Dogmen bin, musste ich erst einmal mit mir ringen 🤼‍♀️ (auch ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl des persönlichen Hintergrunds), ob ich über meinen kleinen Schatten springe und mich bedingungslos auf den möglichen geistigen Input des Volkshochschulkurses einlassen und freuen kann. Und ja, nach ungefähr einer halben Minute schweißbadender emotionaler Achterbahn steht das vorläufige Endergebnis fest- 1:0 für die Unvoreingenommenheit.

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