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Arbeitslos und Spaß dabei

  • Autorenbild: Georg
    Georg
  • 17. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Nun ist ja vorübergehend jeden Tag Sonntag in meinem selbstgewählten Alltag. Aber heute scheint er sogar, der uns am nächsten liegende Stern 🌟. Hell, stark und nur durch Miniwölkchen charmant am Himmelszelt begleitet. Immerhin schafft es die goldgelbe Kraft, die Quecksilbersäule in sichere positiv zweistellige Regionen klettern zu lassen. Frühsommer heißt es dann wohl in den Nachrichten. Meine Nacht ist vorbei, wenn mich meine Blase über deren Füllstand unterrichtet und die innere Kontrollleuchte rot blinkt. Egal, es war schon 8.00 Uhr und der solide Schlaf bedankt sich für den am Vortag verzichteten Gin-Tonic. Wenn ich schonmal im Bad bin, kram ich doch mal in den Schränkchen und bin erstaunt was man(n) sich alles antun könnte. Cremes und Tinkturen für und gegen alle nur erdenklichen und mir gänzlich unbekannten Problemen mit der Haut und dem Haar sind auffindbar. Angefangene Tablettenblister fallen mir in die Hände, mit zum Teil nicht mehr zuzuordnenden Inhalten. Döschen und Tiegel in mannigfaltigen Pastelltönen und scheinbar verkaufsfördernden Beschriftungen. Nur mein 1 in 7 Duschbad in nachtblau kommt mir bekannt vor. Vielleicht liegt es daran, dass ich meine Brille noch nicht auf der Nase habe. Zu meinem eigenen Erstaunen, probiere ich jetzt mit an todesverachtendem Langmut die eine oder andere Substanz an unauffälligen Körperstellen aus, quasi als Selbstversuch. Nach der Salbung geht die Expedition weiter in Richtung Küche. Dabei setzt mich meine überraschend entfesselte Selbstawareness ordentlich unter Druck. Am hauseigenen Ablageplatz für Nahrungsergänzungsmittel und rezeptfreie Dies und Das verharre ich. Ich finde dort unter anderem Spurenelemente, Vitamine, Mineralstoffe, Metalle, alles Dinge, die ich eigentlich einem Bergbaubetrieb zugeordnet hätte, in vielfältiger Dosierung und Mixtur, in fast allen Aggregatzuständen und Verpackungsgrößen. Jetzt mit Brille, versuche ich das Kleingedruckte auf den Dosen und Päckchen zu lesen und in ein für mich verständliches Koordinatensystem einzubauen. Chemie Leistungskurs wäre dann doch irgendwie sinnvoll gewesen. Noch bevor ich den ersten Kaffee trinke, wir haben es bereits Dreiviertel Zehn, drücke ich mir verschiedene Pillen in die Hand und spüle sie mit klarem Wasser die Kehle hinunter. Was anderen laut Verpackung nicht schadet, wird mich auch nicht umbringen. Ob von der Spontanpfelge meine zahlreichen Defizite und Wehwehchen verschwinden, glaube ich zwar nicht, aber zumindest hilft es sofort als Placebo. Wenn es der Seele gut geht, hat der Körper ja auch was davon, so die zementierte Hoffnung. Nach dem Joghurt mit Obst und der zweiten Tasse Kaffee, such ich mir um halb zwölf im Liegestuhl einen Platz im Halbschatten und nur die piepsende Vögelschar verhindert das völlige wegtreten. Der Vormittag ist zwar rum, aber wozu diese Eile?

 
 
 

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